Eine gemeinsame (KULTUR)REGION?

Magdeburg bewirbt sich zur Kulturhauptstadt Europas 2025. Das ist eine große Chance für die Stadt und kann ein bedeutender Impuls für die gesamte Region werden. Aus diesem Anlass fragen wir mit unserer „Zukunftswerkstatt Region Magdeburg 2030“ gemeinsam mit Magdeburg und den drei Landkreisen Börde, Jerichower Land und Salzlandkreis interdisziplinär, welche gemeinsame Rolle wir als Region spielen können und wollen. Eingeladen sind Akteure aus Kultur, Politik und Verwaltung sowie Einwohnerinnen und Einwohner. Da Sachsen-Anhalt ein junges Bundesland ist, blickt auch Magdeburg auf noch keine lange Geschichte als Landeshauptstadt zurück. Auch die drei umliegenden Landkreise Börde, Jerichower Land und Salzlandkreis sind in ihrer heutigen Ausprägung nicht in dem Sinne geografisch oder historisch gewachsen wie der Harz, die Altmark oder das Weinbaugebiet Saale-Unstrut. Als gemeinschaftliche Region sieht man sich erst recht nicht. Es gibt zwar vor Ort diverse bereits eingespielte Arbeitsebenen, die sich an den Gebietsgrenzen dieser drei Landkreise mit Magdeburg als kreisfreier Stadt im Zentrum orientieren, wie beispielsweise die Planungsgemeinschaft Region Magdeburg, den Magdeburger Tourismusverein Elbe-Börde-Heide oder den Regionalausschuss der IHK Magdeburg. Aber insgesamt empfinden sich Akteure und Verantwortliche sowie Bürgerinnen und Bürger noch nicht zu einer gemeinsamen Heimat und Kulturlandschaft gehörig.

Dokumentation + Nächste Schritte

Als im Sommer 2019 die ersten Vorgespräche mit Verantwortlichen in Magdeburg und den Landkreisen starteten, waren für alle Beteiligten die Überschneidungen der Bedarfe augenfällig. Diese Erkenntnis bestätigte sich im Herbst bei den Workshops vor Ort in den großen Runden. Bei allen Akteuren herrschte auch unmittelbar Übereinstimmung, dass etliche Probleme nicht ohne Weiteres in den eigenen „Grenzen“ optimal zu lösen sind, wie z. B. Verkehr, Tourismus, regionale Entwicklung, Unternehmensansiedlungen, Fachkräfte finden und halten, überregional eine positive Präsenz erzeugen … Auch werden die vielen Erfahrungen aus verschiedensten Ressorts vor Ort bisher nicht kontinuierlich in einem landkreisübergreifenden Kontext zusammengetragen und genutzt, was nach Aussage der Beteiligten jedoch hilfreich und effizient wäre. Deshalb besteht ein großes Interesse, konkreter nachzudenken über eine (Kultur-)Region Magdeburg (Arbeitstitel) und die damit verbundenen Möglichkeiten noch intensiverer Zusammenarbeit.
Schnell wurde auch deutlich, dass gemeinsame Pilotprojekte eine gute Vertrauensbasis bilden und ein praxisnahes Schauen fördern können, unter welchen Prämissen eine (Kultur-)Region für alle Beteiligten Sinn ergibt. Sie sind geeignet, modellhaft Zeichen zu setzen, Impulszündungen für die Lösung von Problemen zu geben und dabei neue Kooperationen zu gründen oder bestehende auszubauen. Auch Erfahrungen zu sammeln – sammeln zu dürfen – und diese für weitere Akteure nutzbar zu machen, ist ein wichtiger Aspekt, der im Alltag oft zu kurz kommt. In diesem Sinne wurden Handlungsfelder besprochen sowie sechs Pilotprojekte angedacht, priorisiert und auf der im Februar 2020 veranstalteten Regionalkonferenz interdisziplinär vertieft. Der Prozess wird durch eine breite öffentliche Online-Beteiligung begleitet.

Alle Ergebnisse, Gedanken und Überlegungen münden in der vorliegenden Abschlusspublikation, die sie hier lesen oder downloaden können. Sie ist gleichermaßen fundierte Grundlage für weitere Schritte und Entscheidungen von Politik und Verwaltung zu allen sechs Pilotprojekten sowie für eine Entscheidung zu einer gemeinsamen (Kultur)Region. Dazu finden demnächst die nächsten Gespräche und Abstimmungen mit Verantworltichen statt.